19.06. - 17.07.2005

Malefiz oder die Kunst einen symmetrischen Körper zu zeichnen

Vor gut zwanzig Jahren fand sich Malefiz zwischen Halma und dem artverwandten "Mensch, ärgere dich nicht" im Spieleregal fast jeder Familie. Indem der Bremer Künstler Ralf Tekaat im Titel seiner Ausstellung darauf Bezug nimmt, legt er gleich eine ganze Reihe von Fährten - falsche zumeist.

Die erste Verknüpfung wird bereits vom zweiten Teil des Titels, "die Kunst einen symmetrischen Körper zu zeichnen", angedeutet: Freihändig eine perfekt symmetrisch geschwungenen Figur, ähnlich der Malefiz-Spielfigur, zu zeichnen, ist schlicht unmöglich. Was das nun für Tekaats Arbeit bedeutet, sei dahingestellt. Des Weiteren bietet der Begriff Malefiz Gelegenheit zu einer ganzen Reihe von Interpretationen und Wortspielen: Als "Malefiz" wurden einst Ganovereien bezeichnet. Die entsprechend zwielichtige Gesellschaft auf dem Spielkarton - zwei Räuber oder Cowboys und eine Bardame - dürften viele noch vor Augen haben. Wer aber nun Bösewicht, was Verbrechen in Tekaats Werken sein soll, bleibt offen. Vielleicht liest mancher in "Malefiz" aber auch einen vernuschelten Kasimir Malewitsch. Symmetrie und Geometrie hätten in dieser Interpretation zumindest ihren Platz. Schlüssig scheint sie deshalb aber noch lange nicht.

 

Tekaat - Malefiz zeichnend 1

  

Tekaat - Schiff

  

Tekaat - Stadium in grün

 

Die wichtigste Verbindung zwischen Titel und Werken ist weniger abwegig: Tekaat stellt seine Arbeiten in einen spielerischen Kontext. Spielen im Sinne von "so tun, als ob", als Herbeifantasieren von Situationen, losgelöst von rationalen Zusammenhängen, als etwas tun um des Vergnügens willen bestimmt einen großen Teil seiner Zeichnungen und Installationen. In erster Linie versteht sich Ralf Tekaat als Zeichner. In großen und immer größer werdenden Zeichnungen - momentan arbeitet er an einer drei mal sechs Meter großen - schraffiert oder besser: modelliert er mit Bleistiften Objekte, Flugkörper oder Architekturen. Der Betrachter glaubt, Gerätschaften einer rätselhaften Industrie, Waffensysteme, Schutzhelme, Tragflächen, Raumschiffe oder Bunkeranlagen zu erkennen - nicht selten gleich Verschiedenes davon in einem einzigen Motiv. Trotz ihrer Dichte und Schwärze tragen die Gegenstände eine gewisse Leichtigkeit in sich. Da Tekaat nur die Dinge an sich zeichnet, ohne einen zum Papier vermittelnden Vorder- oder Hintergrund, scheinen sie zu schweben. Ihnen ist gewissermaßen der Boden unter den Füßen weggezogen.

Tekaat - Malefiz zeichnend 3Tekaat - Fliegende Insel

Neben der bloßen Anschauung bieten die Titel von Tekaats Zeichnungen eine weitere Möglichkeit, Zugang zu seiner Arbeit zu finden: So lakonisch knapp wie humorvoll spielt der Zeichner hier mit den Assoziationen der Betrachter, erklärte in älteren Arbeiten die Figur einer liegenden Acht zur "Carrerabahn" oder lieferte in wenigen Worten ganze Geschichten zu einem weitgehend abstrakten Motiv ("Superman kommt zu spät (und Real gewinnt 1:0)"). In anderen Fällen tritt das Zeichnen in den Hintergrund. Stattdessen werden von Zetteln, Fotos und Zeitungsausschnitten Geschichten erzählt, Hinweise gegeben oder - wie nun auch im Titel dieser Ausstellung - neue Assoziationen eröffnet, zu denen sich dann auch wieder Bezüge in Tekaats Zeichnungen finden lassen. In "Malefiz oder die Kunst einen symmetrischen Körper zu zeichnen" wirft er beispielsweise mit subversivem Grinsen die Frage auf, ob denn nun Sophie oder Mehmet Scholl - übrigens wie Tekaat Jahrgang 1970 - das bessere Vorbild abgibt. Eine Installation war es auch, wofür Ralf Tekaat den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst 2002 erhielt. Damals war der in Bobingen geborene Künstler in New York "Auf der Suche nach Thomas R. Pynchon". Frank Schrader

Begrüßung: Prof. Dr. Hans-Joachim Manske, Direktor der Städtischen Galerie im Buntentor
Einführung: Dr. Joachim Kreibohm, Chefredakteur artist Kunstmagazin

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

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