Eröffnung: Samstag, 10. März 2007 um 19 Uhr

Es spricht Rainer Beßling, Kunstkritiker
Künstlergespräch mit Milko Pavlov:
Mittwoch, 21. März 2007 um 17 Uhr und Sonntag, 15. April 2007 um 15 Uhr
 

Milko PavlovDas Werk von Milko Pavlov ist vielfältig und vielschichtig. Neben ungewöhnlich großen, zarten Grafitkompositionen in Frottagetechnik finden sich darin kleinformatige, dichte Bildobjekte, die er durch Prägung minimalistisch strukturiert, oder ebenfalls kleine, kraftvolle und trotzdem flüchtige Aquarelle. In dieser Ausstellung sind jedoch vor allem seine großformatigen Bilder zu sehen, eine intensive, kraftvolle Malerei, von eigenwilliger Erscheinung.

Die Größe dieser Bilder verstärkt ihre Unmittelbarkeit. Man hat das Gefühl vor Fenstern zu phantastischen Räumen zu stehen, in die man einsteigen könnte – oder von denen man respektvoll auf Distanz geht, denn die Gefahr scheint zu bestehen, in ihren Sog hineinzugeraten. Merkwürdige Gräser, die sich weich und wellenförmig zu bewegen scheinen oder hybride Kreaturen zwischen Pflanze und Tier sind darin zu sehen, fremdartig, wie unerforschte Unterwasserlandschaften in der Tiefe des Ozeans.

Befremdend können aber auch die Datierungen seiner Bilder wirken, wie sie schon im Titel der Ausstellung auftauchen: „Bilder 2004-2066“. Milko Pavlovs Arbeit hat bei aller Sinnlichkeit einen starken konzeptuellen Ansatz, der sich auch darin zeigt, dass er das Schwebende, Unbestimmte seiner Bilder, die keinem Ort und keiner Zeit zugeordnet werden können, auch in der Datierung der Bilder überträgt. Man steht vor Bildern, die 2016, 2018 oder gar 2066 entstanden sein sollen und wird plötzlich in eine irritierende Zukunft versetzt. Ihre Titel „Ostpol“, „Paranoiaprotokoll“ oder „Yoga“ verweisen auch auf andere, nicht (oder noch nicht) existierende mentale Zustände und Orte. Zeit und Raum sind nur in unserer Wahrnehmung linear und Milko Pavlov stellt diese Wahrnehmung in Frage und bringt durch diese fiktive Datierung die Zukunft symbolisch in die Gegenwart.

Katerina Vatsella