06.09. - 20.12.2009
"entartet" - beschlagnahmt
Bremer Künstler im Nationalsozialismus


Eröffnung: Samstag, 5. September 2009 um 17 Uhr

Begrüßung
Prof. Dr. Hans-Joachim Manske, Direktor der Städtischen Galerie Bremen
Eröffnung der Ausstellung
Bürgermeister Jens Böhrnsen, Senator für Kultur
Einführung in die Ausstellung
Andreas Hüneke, Kunsthistoriker, Potsdam
Rainer B. Schossig, Rundfunkjournalist, Bremen
Birgit Neumann-Dietzsch, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung, Grasberg

Die Ausstellung will einen Abschnitt Bremer Kunstgeschichte ausleuchten, der bisher weitgehend unbearbeitet geblieben ist. Basierend auf intensiver Quellenforschung wird anhand von Zeitdokumenten und Biografien die Situation einer Künstlergeneration während der nationalsozialistischen Kunstbarbarei von 1933- 1945 erhellt. Eine Reihe aufschlussreicher bisher unpublizierter Funde aus Privatbesitz, Archiven und Museen werden dafür teilweise erstmals vorgelegt.
Die berüchtigte NS-Aktion „Entartete Kunst“ traf nicht nur prominente Künstler, sondern auch eine Vielzahl lokaler Maler und Bildhauer. 1937 wurden im Zuge zweier „Säuberungsaktionen“ der Nationalsozialisten ca. 20.000 Werke von 1.400 Künstlern aus deutschen Museen entfernt.
Das sog. Beschlagnahme-Inventar nennt 22 Künstler aus Bremen und dem Bremer Umland und die stattliche Zahl von ca. 230 ihrer Werke, die in ganz Deutschland beschlagnahmt wurden. Dies ist der Kreis der Künstler, die mit ihren künstlerischen Arbeiten, mit ihren Biografien und zahlreichen Zeitdokumenten in der Ausstellung präsentiert werden. Es werden Arbeiten gezeigt, die in Beschlagnahme-Inventaren genannt sind sowie weitere Werke der jeweiligen Künstler aus dieser Zeit. Neben Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Abstraktion sind auch Arbeiten von Jugendstil über Postimpressionismus bis zum Naturalismus vertreten. An den Gemälden, Plastiken, Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken sind die Gewissenskonflikte und Grenzsituationen abzulesen, in denen sich die Künstler befanden.
So zeigt die Ausstellung bei aller Gewichtung auf das Thema der „Entarteten“ auch etwas von der Vielschichtigkeit jener Zeit: Gleitende Übergänge vom Denk- zum Malverbot, Kontraste und Grauzonen von offener Verfemung, innerem Exil und heimlicher Anpassung. Und nicht zuletzt wird eine Reihe zu Unrecht vergessener Bremer Künstler wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.
Es werden Werke präsentiert von Heinz Baden, Henry de Buys Roessingh, Dietz Edzard, Wilhelm Heckrott, Rudolf Hengstenberg, Bernhard Hoetger, Carl Jörres, Karl Kriete, Gerd Meyer, Paula Modersohn-Becker, Hanns Müller, Willi Oltmanns, Franz Radziwill, Albert Schiestl-Arding, Arnold Schmidt-Niechciol, Otto Schoff, Theodor Schultz-Walbaum, Fritz Stuckenberg, Wilhelm Tegtmeier, Tetjus Tügel und Carl Emil Uphoff.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

 

  

 

 

 

Begleitprogramm

Dienstag, 8. September 2009, 19 Uhr
"Ein Bremer war es, der die Beschlagnahmeaktion der 'Entarteten Kunst' organisierte"
Ein Vortag von Rainer B. Schossig, Rundfunkjournalist, Bremen

Dienstag, 22. September 2009, 19 Uhr
"Am Ende der Entnazifizierung in Bremen ergingen die Rufe an Nazis in der Kultur"
Ein Vortrag von Prof. Dr. Hans Joachim Manske, Direktor der Städtischen Galerie Bremen   

Dienstag, 29. September 2009, 19 Uhr
"Konsequent inkonsequent. Der Maler Franz Radziwill"
Dokumentarfilm (60 Min.) von Konstanze Radziwill und Gerburg Rohde-Dahl,
anschließend Diskussion mit den Regisseurinnen

Mittwoch, 21. Oktober 2009, 19 Uhr
"Kunst am Pranger. Die widersprüchliche Geschichte der Aktion 'Entartete Kunst'"
Ein Vortrag von Andreas Hüneke, Kunsthistoriker, Potsdam

Dienstag, 27. Oktober 2009, 19 Uhr
"Gottfried Benn und Friedrich Wilhelm Oelze - Dialoge unter der Diktatur zwischen Berlin und Bremen"
Ein Vortrag von Dr. Hans Dieter Schäfer, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz

Dienstag, 3. November 2009, 19 Uhr
„Eine Spurensuche. Bremer Künstler im Nationalsozialismus"
Ein Vortrag von Birgit Neumann-Dietzsch, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung, Grasberg

Dienstag, 10. November 2009, 19 Uhr
"Reise ins besetzte Amsterdam. Wie der Regierende Bürgermeister Bremens und der Direktor der Kunsthalle 1940 in Holland für die Kunsthalle alte Meister einkauften"
Ein Vortrag von  Dr. Kai Artinger, Kunsthistoriker, Berlin

Dienstag, 8. Dezember 2009, 19 Uhr
"Nationalsozialistische Kunst - Malerei als Propaganda für ein Terrorregime"
Ein Vortrag von Christine Holzner-Rabe, Kulturwissenschaftlerin und Kunstpädagogin, Bremen


Führungen jeden Sonntag 15 Uhr



Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung der Länder und der Bremer Landesbank.

 

 

Dienstag, 08. September 2009, 19.00 Uhr

„Ein Bremer war es, der die Beschlagnahmeaktion der ‚Entarteten Kunst’ organisierte“.
Vortrag von Rainer B. Schossig

Rainer B. Schossig
Geboren 1944 in Gera/Thüringen.
Studium Werkkunstschule Kassel (Gebrauchsgrafik, Typografie, Fotografie); danach Hochschule für Bildende Künste Berlin (Malerei, Grafik, Kunstpädagogik, Kunstgeschichte). Ab 1973 Lehrtätigkeit in Dortmund. Von 1976 – 1980 Herausgabe des Periodikums „Spuren – Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft“ in Köln.
Seit 1980 als freier Autor und Kunstkritiker in Bremen, Schwerpunkt Radio-Journalismus. Seit 1981 fester Mitarbeiter beim Kulturjournal „Texte und Zeichen“ des NDR; von 1985 – 2001 Kunstberichterstatter und Moderator bei Radio Bremen; seit 1997 beim Deutschlandfunk Köln, für die Redaktionen „Kultur Heute“, „Hintergrund Kultur“. Regelmäßige Beiträge über Ereignisse wie Documenta Kassel und Kunstbiennale Venedig für diverse ARD-Hörfunkanstalten; seit 2000 Mitglied der Jury für den Medienkunstpreis des Saarländischen Rundfunks. Beiträge zum Feuilleton der SZ, der HAZ (Hannover) sowie des Weserkuriers (Bremen). Seit 2003 Mitglied der Assoziation Internationaler Kunstkritiker (AICA).

 

Dienstag, 22.09. 2009, 19.00 Uhr

„Am Ende der Entnazifizierung in Bremen ergingen die Rufe an Nazis in der Kultur“
Vortrag von Prof. Dr. Hans-Joachim Manske 

Prof. Dr. Hans-Joachim Manske
geb. 1944, Studium der Kunstgeschichte in Hamburg und Bonn, Promotion über ein Thema der Spätgotik. 1974-2009 Referatsleiter für Bildende Kunst, Denkmalpflege und Landesarchäologie beim Senator für Kultur Bremen, u.a. Kuratierung und Organisation des nationalen und internationalen Bremer Programms von "Kunst im Öffentlichen Raum", Direktor der Städtischen Galerie Bremen, Dozent für Architekturtheorie an der Hochschule Bremen, 1997-2004 Projektleiter für den Welterbeantrag zum Bremer Rathaus und zum Roland; zahlreiche Veröffentlichungen zur aktuellen Kunst (Schwerpunkt Kunst im Öffentlichen Raum und Skulptur nach 1945), zu historischer Kunst und Architektur in Bremen und zu spätgotischer Skulptur in Norddeutschland.

 

Dienstag, 29. September 2009, 19.00 Uhr
"Konsequent inkonsequent. Der Maler Franz Radziwill", Dokumentarfilm (60 Min.)
Anschließend Diskussion mit den Regisseurinnen Konstanze Radziwill und Gerburg Rohde-Dahl.

Konstanze Radziwill
geboren 1947 in Dangast / Jadebusen
Studium der Literatur-, Kunst- und Politikwissenschaft in Köln und Bremen,
beide Staatsexamina. Schuldienst und Mitarbeit an einem Forschungsprojekt der Universität Bremen über Kunstkritik in der deutschen Romantik, Lehrbeauftragte. Aufbaustudium Film an der Universität Hamburg. Arbeitsgebiete: Roman, Erzählung, Drehbuch, Dokumentarfilm; Ausstellungen; Buch- und Katalogherausgaben
Gerburg Rohde-Dahl
1938 geboren in Bremen, 1940-1945 Umzug nach Gotenhafen Westpreußen / Gdynia Polen, 1954-1956 Werkkunstschule Bremen, 1956-1960 Hochschule für Bildende Künste Berlin (angewandte und freie Grafik), 1960 Stipendium der Franz. Regierung in Paris für freie Grafik / Radierung, 1961-1972 Grafikerin in Hamburg, Radierungen und Experimente im Animationsfilm

 

Mittwoch, 21. Oktober 2009, 19 Uhr
"Kunst am Pranger. Die widersprüchliche Geschichte der Aktion 'Entartete Kunst'".
Vortrag von Andreas Hüneke, Kunsthistoriker, Potsdam

Andreas Hüneke
Geboren 1944 in Wurzen. 1965-1970 Studium der Theologie und der Kunstgeschichte in Halle. 1971-1977 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Staatlichen Galerie Moritzburg  Halle. Seit 1978 freiberuflich als Kunsthistoriker, Kritiker und Ausstellungskurator, seit 1982 in Potsdam. Seit 2003 Werkverträge für die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin, verbunden mit Lehraufträgen.
Hauptarbeitsgebiete: Expressionismus, Bauhaus, Museums- und Sammlungsgeschichte, Aktion „Entartete Kunst“, Gegenwartskunst.

 

Dienstag, 27. Oktober 2009, 19.00 Uhr
„Gottfried Benn und Friedrich Wilhelm Oelze - Dialoge unter der Diktatur zwischen Berlin und Bremen.“
Vortrag von Dr. Hans Dieter Schäfer

Dr. Hans Dieter Schäfer
geboren 1939 in Berlin. Unterrichtete von 1974 bis 2004 Neuere Deutsche Literaturwissenschaften an der Universität Regensburg. Seine Untersuchung "Das gespaltene Bewußtsein" über Ideologie und Lebenswirklichkeit im Dritten Reich, die Anfang der 1980er im In- und Ausland für großes Aufsehen sorgte, kam vor wenigen Wochen erheblich erweitert neu heraus.

Neben Forschungsarbeiten zur frühen und späten Moderne veröffentlichte Schäfer mehrere Bände mit Gedichten wie "Dem Leben ganz nah" (1982) und "Spät am Leben" (2001) sowie Aufzeichnungen; 2009 erschien das Buch "Erinnerungstraining" mit Fotos von Barbara Klemm.

Hans Dieter Schäfer

 

Dienstag, 03. November 2009, 19.00 Uhr
„Eine Spurensuche. Bremer Künstler im Nationalsozialismus.“
Vortrag von Birgit Neumann-Dietzsch, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung

Birgit Neumann-Dietzsch
geboren 1956 in Bautzen. 1975-80 Studium der Kunstwissenschaften in Leipzig.
1980-84 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum für bildende Künste in Leipzig, Abteilung Malerei/Plastik. Vollständige Neubearbeitung des Bestandskataloges der Skulpturensammlung.
1980 Antrag auf Übersiedlung in die BRD. 1984 Übersiedlung in die BRD.
1984- 85 Katalogredaktion: Niedersächsische Landesausstellung "Stadt im Wandel".

Seit 1985 freiberufliche Tätigkeit:
Arbeiten im Bereich der Denkmalpflege und der Restaurierung in Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein, besonders auf den Gebieten der Befundermittlung, Bauforschung und Archivarbeit. Erstellung wissenschaftlicher Dokumentationen und Konzeptionen, Inventarisierung und Wartung von Kunstgut, u. a. Bearbeitung der spätgotischen Wandmalerei im Kloster Lüne, der expressionistischen Raumfassung Bernhard Hoetgers im "Café Verrückt", Worpswede und der Restaurierungsgeschichte der Wandmalereien im Braunschweiger Dom.

1989/90 Bearbeitung des Bestandskataloges aller Deckenmalereien in Niedersachsen für eine Publikation des Instituts für Denkmalpflege Niedersachsen: "Raumkunst in Niedersachsen", Deutscher Kunstverlag München, 1991.

2000 – 2003 kunsthistorische Erfassung und Bewertung der mittelalterlichen Wandmalereien in Berlin für das Landesdenkmalamt der Stadt.

Seit 2005 Recherchen zur Thematik der Bremer Künstler im Nationalsozialismus im Auftrag der Städtischen Galerie Bremen.

Werkverzeichnis des Künstlers Wilhelm Heckrott in Bearbeitung. Seit 2008 Bestandserfassung für das Projekt "Orte der Kunst in Potsdam".

 

Dienstag, 10. November 2009, 19.00 Uhr
„Reise ins besetzte Amsterdam. Wie der Regierende Bürgermeister Bremens und der Direktor der Kunsthalle 1940 in Holland für die Kunsthalle alte Meister einkauften".
Vortrag von Dr. Kai Artinger, Kunsthistoriker, Berlin

Dr. Kai Artinger
Der Kunsthistoriker Dr. Kai Artinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Augsburg. Er arbeitete als Ausstellungskurator, Autor und Publizist. 2001 baute er in Lübeck das Forum für Literatur und Bildende Kunst / Günter Grass-Haus mit auf und leitete es bis 2006.

Zahlreiche Publikationen: darunter die Krimi-Trilogie zur Bremer Polizei im Nationalsozialismus und 2009 eine Rezeptionsgeschichte über Paula Modersohn-Becker. Im Frühjahr 2010 erscheint "Das Museum".



Dienstag, 8. Dezember 2009, 19 Uhr
„Nationalsozialistische Kunst – Malerei als Propaganda für ein Terrorregime“
Vortrag von Christine Holzner-Rabe, Bremen 

1937 präsentierte das Nazi-Regime in München parallel zur Ausstellung "Entartete Kunst" die "Große Deutsche Kunstausstellung", in der dem Publikum vorgeführt wurde, wie die angeblich neue nationalsozialistische Kunst aussieht oder auszusehen hätte. Der Vortrag zeigt die Mechanismen auf, wie das Regime Kunstwerke funktionalisierte, um die Realität im NS-Staat zu verschleiern und die Aufgaben des Volkes einzufordern. Über die Kunst sollte die nationalsozialistische Politik in allen Lebensbereichen zementiert werden.

Christine Holzner-Rabe
Kulturwissenschaftlerin und Kunstpädagogin; arbeitet als Dozentin für politisch-kulturelle Erwachsenenbildung, freie Mitarbeiterin der Kunstsammlungen Böttcherstraße, Ausstellungsmacherin, Co-Kuratorin der „Kunst in der Knochenhauerstraße“, Autorin; Mitgründerin des Bremer Frauenmuseums e.V., konzipiert und leitet Themenführungen durch Bremen;