Nach einer Zeit beschleunigter Digitalisierung und einer Übertragung weiter Teile des Lebens und kultureller Aktivitäten in einen virtuellen Raum ohne persönliche Begegnung möchte die Städtische Galerie Bremen mit der Ausstellung WAS BLEIBT eine Auseinandersetzung mit Artefakten bieten, die dauerhaft zur Verfügung stehen und dennoch viel zu wenig zu sehen sind. Ihr Potenzial als ein bleibendes Zeugnis ihrer eigenen Zeit und als ein Anlass für immer wieder neue Betrachtung können die über 6.000 Kunstwerke in der Sammlung regionaler Kunst Bremens nur eingeschränkt entfalten, denn die Sammlung hat keine eigenen Räumlichkeiten und dauerhaften Präsentationsmöglichkeiten im musealen Rahmen.

Stattdessen wird seit der systematischen Sammlungstätigkeit in den 1980er Jahren die Möglichkeit geboten, in Gebäuden und Räumen des öffentlichen Dienstes und verwandten Dienststellen sowie in enger Abstimmung mit dem Programm Kunst im öffentlichen Raum Werke aus der Sammlung auszuleihen und damit auch der Öffentlichkeit in Teilen zugänglich zu machen. Einblicke in die besonderen Ausprägungen der regionalen Kunst in der Sammlung wurden wiederholt in temporären Ausstellungen geboten, zuletzt in thematischen Ausstellungen, die der Bremer Künstler Tom Gefken im Rot-Kreuz-Krankenhaus in den Jahren 2014-16 realisiert hat.

Mit der Präsentation einer Auswahl aus der Sammlung möchte die Städtische Galerie auf diesen Schatz aller Bremer*innen aufmerksam machen und dazu einladen, sich ein Bild der regionalen Kunst seit der Nachkriegszeit zu machen, die in ihrer lokalen Ausprägung einerseits die wichtigsten überregionalen Kunstströmungen repräsentiert und andererseits faszinierende Besonderheiten aufweist.

Die Kunstsammlung ist im Kern in den Jahren 1984 bis 2004 im Rahmen des Programms Soziale Künstlerförderung entstanden, das Bremer Künstler*innen in dieser Zeit ermöglicht hat, sich in einem einjährigen Stipendium voll auf ihr eigenes Kunstschaffen zu konzentrieren, wovon anschließend ein dabei entstandenes Werk in die Sammlung übergegangen ist. Diese beinhaltet aber auch umfassende Konvolute wichtiger Nachkriegskünstler*innen, deren Arbeiten bereits in Stadtbesitz waren. Und an den Kunstfördergedanken anknüpfend, sind im vergangenen Jahr noch einmal über vierzig Werke in die Sammlung gekommen, die im Rahmen einer ersten Coronasoforthilfe für Künstler*innen angekauft wurden, um deren finanzielle Einbrüche durch entgangene Ausstellungen und daraus resultierende Verkäufe aufzufangen.

Um dieses jüngste Sammlungskonvolut herum gruppieren sich nun zahlreiche Werke als Beispiele für die typischen Strömungen innerhalb der Bremer Kunstszene vor allem aus der Zeit der Sozialen Künstlerförderung, es lassen sich künstlerische Positionen treffen, die überregional bekannt geworden sind, wir zeigen aber auch sehr ungewöhnliche Arbeiten und Ansätze, die heute kaum noch im kunsthistorischen Bewusstsein sind. So erweist sich die einzigartige Sammlung regionaler Kunst als unvergleichlicher Schatz. Was bleibt, ist in dieser Hinsicht so viel Frage wie Antwort und ein Plädoyer für das, was die Sammlung repräsentiert: die Möglichkeit, sich dauerhaft und anhand ebenso zeittypischer wie zeitloser Objekte mit gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander zu setzen, die in all den digitalen kurzfristigen Formaten, die auch die Gegenwartskunst im vergangenen Jahr dominiert haben, gar nicht über ein kurzes Verhandeln hinaus erfasst werden können.

Gezeigt werden u.a. Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern: 

Marietta Armena / Anna Bart / Katharina Berndt / Achim Bertenburg / Monika Beyer / Katja Blum / Nicholas Bodde / Olga Bontjes van Beek / Kirsten Brünjes / Reinhold Budde / Hanno Buerhop / Johann Büsen / Ulrik Happy Dannenberg / Tom Diekmann / J.P. Dirx / Veronika Dobers / Michael Fitzthum / Sara Förster / Stephan Fritsch / Anja Fußbach / Agnieszka Gancarczyk Veto / Gerd Garbe / Winfried Gaul / Tom Gefken / Markus Genesius / Mehmet Murat Günes / Claus Haensel / Zainab Haidary (Zahar) / Ellen Heinemann / Kornelia Hoffmann / Bogdan Hoffmann / Rosa Jaisli / Markus Keuler / Reynaldo K`akachi / Myong-hee Ki / Marcus Klinkusch / Maren Koll / Gabriele Konsor / Bodo Kraft / Peter F.K. Krüger / Reinhold Krüger / Sandra Kuhne / Bernadette Lahmer / Henrique Lemes da Silva / Eva-Maria Licht / Ilker Maga / Till Meier / Hannes Middelberg / Shirin Mohammad / Jub Mönster / Ahmad Motiee Seidmaleh / Horst Müller / Daniel Neubacher / Norman Neumann / Henrik Nieratschker / Astrid Nippoldt / Ghaku Okazaki / Nora Olearius / Jimmi D. Paesler / Jorge Lasaro Perez Fraga (Papucho) / Jana Piotrowski / Edith Pundt / Monika Ratering / Boris Reihle / Cordula Schmidt / Jean-Noel Robert Schramm / Marina Schulze / Heinrich Schwarz / Norbert Schwontkowski / Ilona Selling Hußmann / Anna Solecka / Hans-Wilhelm Sotrup / Sabine Stoffregen / Morgot Storck / Irene Strese / Bernd Überall / Ben Vautier / Zoppe Voskuhl / Wolfgang Wagner-Kutschker / Martina Werner / Jens Weyers / Harm Wicke / Curt Wittenbacher / Lukas Zerbst / Rainer Zinke

Werke verschiedener Künstler

Blick in die Ausstellung, großer Galerieraum
Werke u.a. von Norbert Schwontkowski, Zoppe Voskuhl und Tom Diekmann
Foto: B.Haffke
Teilansicht der Ausstellung

Teilansicht der Präsentation von Werken aus der Künstlersoforthilfe 2020
Foto: B. Haffke
Blick ins Foyer
Werke von Bogdan Hoffmann, Sabine Stoffregen und Ilona Selling-Hußmann
Blick ins Foyer, Teilansicht
Foto: B. Haffke